C. F. Gellert und „Die wechselvolle Geschichte seiner Bestattung zur letzten Ruh"

Viel Wissenswertes wurde in den zwanzig Jahren der „Gellert-Ehrung" recherchiert, erzählt, gespielt und besungen. Und dabei stieß man manchmal in unterschiedlichen Quellen auch auf Widersprüchlichkeiten oder sogar Kuriositäten, wie das Beispiel der mehrfachen Umbettung Gellerts zur „letzten Ruhe" aufzeigt. Da auch solche scheinbar nebensächlichen Informationen erwähnenswert sind, sollen diese dem interessierten Leser nicht vorenthalten werden.

Gellert starb am 13. Dezember 1769 in Leipzig und sollte auf dem Leipziger Alten Johannisfriedhof seine letzte Ruhe finden, was auch vorerst für 120 Jahre gelang.

Als die heute nicht mehr existierende Johanniskirche 1894 bis auf den Turm abgebrochen wurde, um im neobarocken Stil neu aufgebaut zu werden, stieß man an der Südwand auf die Gebeine von Gellert, exhumierte sie, bettete sie in einen Sarkophag und setzte sie 1897 in einer Gruft unter dem Turm der fertiggestellten Johanniskirche erneut bei. Eine andere Quelle nennt dafür das Jahr 1900. Da sich inzwischen auch der Sarkophag von Bach dort befand, sprach man nur noch von der Bach-Gellert-Gruft und Interessenten aus der ganzen Welt besuchten jährlich in großer Zahl diese Ruhestätte.

Nach einem schweren Bombenangriff am 4. Dezember 1943 blieb von der Johanniskirche nur noch ein Turmrest stehen. Das Kirchenschiff war herabgestürzt und hatte die Gruft unter sich begraben. Da die Beräumungsarbeiten der zerstörten Wohn- und Industrieviertel sowie die Wiederherstellung der Infrastruktur alle Kräfte banden, entschwand die Gruft aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Erst als 1949 die „Neue Bach - Gesellschaft" die Musikwelt für Juli 1950 zu einem Bach-Gedenken einlud, erinnerte man sich an die Bach-Gellert-Gruft und rasches Handeln war angesagt. In den zeitaufwendigen Diskussionen dominierte jedoch die künftige Ruhestätte von Bach und die Meinungen darüber gingen sehr weit auseinander. Eine schnelle Einigung war längst nicht in Sicht.

Der Superintendent, Oberkirchenrat Heinrich Schumann und der Küster, Kircheninspektor Bruno Kötz, beide an der Thomaskirche tätig, ergänzten im Protokoll der letzten Beratung, dass es im Herbst 1949 zu einer unerwarteten, wenngleich auch fatalen Lösung dieses Problems kam. Beide befanden sich im Pfarramt der Thomaskirche, als ein Mann in Maurerkluft zu ihnen trat und berichtete, dass er die Trümmer der Johanniskirche abfahren lässt und im Keller auf zwei Särge gestoßen sei. Er habe gehört, dass es sich um einen großen Musiker der Thomaskirche handele und deshalb habe er die Särge auf zwei Maurerkarren gleich mal mitgebracht. Nach einer kurzen Verständigung der beiden Kirchenväter, wies man den Maurermeister Malecki an, den Sarg von Bach an die Nordseite der Kirche zu fahren, da man ihn vorläufig in der Nordsakristei unterstellen wollte. Schnell erledigte Malecki den Auftrag, erschien erneut im Pfarramt und fragte, was er nun aber mit dem anderen Sarg machen solle.

Und da geschah etwas sehr Unverständliches. Anstatt Gellerts Sarg, um den handelte es sich natürlich, vorerst ebenfalls in der Thomaskirche abzustellen, verwies Oberkirchenrat Schumann den Maurermeister an die Universitätskirche mit den Worten: „Von Professor Gellert haben wir zwar einige Lieder in unserem Gesangbuch, aber er war nicht bei uns, sondern bei der Universität angestellt. ....". Ohne lange zu zögern, zogen die Maurer nunmehr mit zwei Karren und einem Sarg durch die belebte Innenstadt zur Universitätskirche. Doch der Küster Martin lehnte es ab, ohne Weisung des Dekans den Sarg in Empfang zu nehmen. Nach längerem Hin und Her brachte man dann die sterblichen Überreste von Gellert vorläufig in der Gruft des Ablasshändlers Tetzel unter.

Nachdem der Rat der Stadt und die Besatzungsbehörde informiert waren, entschied der sowjetische Kulturoffizier die strittige Frage und sagte: „Wenn Arbeiter den Sarg in die Kirche gebracht haben, dann bleibt er auch dort - für immer."
Im Frühjahr 1950 dann, nachdem ein Ärzteteam die sterblichen Überreste Gellerts überprüft und für authentisch befunden hatte, versenkte man in einer Feierstunde den Sarg in eine Gruft unter dem Altarraum, wo Gellert endlich seine 'letzte Ruhe' finden sollte.

Doch wissen wir, dass diese Ruhe leider nur 18 Jahre dauern sollte. Mit der Sprengung der Universitätskirche am 30. Mai 1968 ging Gellerts Sarg erneut auf 'Reisen'. 

Was nach der Sprengung der Universitätskirche mit den sterblichen Überresten Gellerts geschah, erzählte 2005 Steinmetz Wolfgang Gey, in Hainichen geboren, wohnhaft in Leipzig, in einem Interview. „Ich hebelte die Platte hoch und mein Gellert konnte gerettet werden. Da hab ich mich aber stark gefühlt. Seither hat er seine endgültig letzte Ruhestätte auf dem Südfriedhof gefunden....". Und schon wieder werden Stimmen laut, dass es sich in der Gellert-Grabstätte auf dem Südfriedhof eventuell gar nicht um Gellerts menschliche Überreste handeln könnte.

„Dichtung oder Wahrheit?"

Eine neue Herausforderung für die Verantwortlichen, mit den Recherchen fortzufahren. Vielleicht gelingt es ja 2015, zum 300. Geburtstag von Christian Fürchtegott Gellert, mit neuen Erkenntnissen aufzuwarten.

Elke Fromm