Oden und Lieder
Oden und Lieder
6. Gellertabend
Mezzo-Sopranistin Jana Hruby singt zum 6. Gellert-Abend im Foyer des Barockschlosses in Wölkau Lieder von Gellert und von Komponisten seiner Zeit. Sie wird von der Pianistin Annelie Schultze begleitet.
Foto: priv.

Gellerts literarisches Wirken und Schaffen - die Bedeutung früher und heute

Der Verein „Patronatskirche Kunst und Kultur Wölkau e.V." und die Kulturverwaltung des Landratsamtes führen, unterstützt durch die Gemeindeverwaltung Schönwölkau und die Leitung des Gellert-Museums Hainichen, seit 1995 den weithin bekannten Gellert-Abend in Wölkau durch. 2014 jährt er sich zum zwanzigsten Mal. Ein weiterer Höhepunkt findet zum 300-sten Geburtstag von C. F. Gellert im Jahr 2015 statt.

Christian Fürchtegott Gellert, einer der populärsten Dichter der deutschen Aufklärung, hinterließ ein vielfältiges, breit gefächertes Werk. Da er sich von der Dichtung für ein gelehrtes Publikum abwendete und einfache, für jedermann verständliche Poesie verfasste, stieg er schnell zum Volksdichter auf und wurde begeistert von allen Schichten des Volkes gelesen.

Er wollte nicht der „poeta doctus", „gelehrter Dichter" sein, sondern versuchte vielmehr, mit allen seinen Werken sein Publikum auf einen „gemeinschaftsstiftenden Normenkanon" zu vereinen, dessen Grundlage der sittlich-moralisch handelnde, gottesfürchtige Mensch war. Mit der Darstellung vorbildlicher Handlungsweisen in literarischer Verpackung, versuchte er „... dem, der nicht viel Verstand besitzt, die Wahrheit durch ein Bild ..." zu sagen. Dahinter verbirgt sich aber keineswegs Überheblichkeit, sondern das Bestreben, vor allem den „Mann auf der Straße" zu erreichen.

Ein bedeutender Schwerpunkt seines typischen aufklärerischen Gesellschaftskonzeptes bestand darin, dass Gellert erstrebenswerte Lebensmaxime, wie Demut, Toleranz, Nächstenliebe, Hoffnung und Menschenachtung nicht nur theoretisch an sein Publikum heranbrachte, sondern sie als seinen Lebensentwurf vorlebte. So war er Vorbild und Identifikationsfigur zugleich.
Gellert zählt zu den meistgelesenen Autoren des 18. Jahrhunderts. Angeblich wurde damals kein Buch öfter zur Hand genommen, außer der Bibel natürlich, als seine „Fabeln und Erzählungen".

Zu seinem Gesamtschaffen gehören zahlreiche Beiträge in der Zeitschrift „Belustigungen des Verstandes und des Witzes", die „Fabeln und Erzählungen" (1746/48), sein einziger Roman „Leben der Schwedischen Gräfin von G***" (1747/48), eine Lustspielsammlung (1747), der Briefsteller „Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen" (1751) und „Geistliche Oden und Lieder" (1757).

Die Fabeln waren Meilenstein in mancherlei Hinsicht. Das Werk verschaffte nicht nur einem deutschen Dichter erstmals breite Anerkennung im europäischen Ausland, sondern es markiert die erste große Fehlentscheidung in der Buchhandelsgeschichte überhaupt. Der Leipziger Verleger Breitkopf lehnte das angebotene Manuskript ab: uninteressant, nicht verkäuflich. Eine Entscheidung, die er nur wenig später bereuen sollte, denn die Fabeln, schließlich verlegt von Johann Wendler, stellten sich als erster großer Verkaufserfolg der Verlagsgeschichte heraus und machten Wendler zu einem reichen Mann.

Der Roman ging in die Kulturgeschichte zum einen als der erste empfindsame Roman ein, in dem das bürgerlich-moralische Handeln im Mittelpunkt steht, zum anderen, weil er großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Briefromans nahm. Auf das Thema „Briefroman" wird in einem der nächsten Artikel genauer eingegangen.

Die Lustspiele führten erstmals ein bürgerliches „Figuren-Personal" und ein kleinbürgerliches Familienmilieu in die deutsche Literatur ein. Die Nähe zu Lessings Trauerspielen ist erkennbar.

Im Briefsteller lehnte er den schwulstigen, von höfischen Konventionen geprägten Briefstil ab und trat für eine natürliche Umgangssprache im Brief ein. Nach der Veröffentlichung des „Briefstelllers" setzte eine wahre „Korrespondenzfreudigkeit" ein und Gellert avancierte zum meist gewünschten Korrespondenzpartner, vor allem von Frauen. Alle Werke, die nach dem „Briefsteller" erschienen, waren nicht mehr das Ergebnis von Gellerts „Berufensein", sondern beruhten auf äußeren Umständen.

Die „Lehrgedichte und Erzählungen" (1754) beinhalten eine Zusammenstellung von älterem, überarbeitetem Material, das Gellert veröffentlichte, weil er Geld für notwendige Kuren brauchte. Er litt an Hypochondrie, der Modekrankheit des 18. Jahrhunderts, die ihn immer wieder zu Kuraufenthalten und zur Unterbrechung seiner Arbeit zwang.

Auch für die Publikation „Sammlung vermischter Schriften" (1756) verwendete Gellert vorrangig älteres Material.

Der gesundheitlich stark angeschlagene Gellert schuf während des „Siebenjährigen Krieges" mit den „Geistlichen Oden und Liedern" (1757), die später Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, Carl Philipp Emanuel Bach oder Johann Adam Hiller zu Vertonungen anregten, sein eigentlich letztes Werk. Darin fasste er ein persönliches Glaubensbekenntnis und für viele Christen vertraute Empfindungen und Gemütsregungen in verständliche Worte und versuchte gleichzeitig durch besonders hohen Arbeitseifer, seine traumatischen Kriegserlebnisse zu kompensieren.

Mit diesem Werk legte er einen weiteren Grundstein für den „Gellert-Kult", der schon zu seinen Lebzeiten einsetzte. Dass sein Erfolg und die Legendenbildung um seine Person nach seinem Tod Kritiker auf den Plan riefen, war flüchtig betrachtet, logisch und zeitgemäß. Dieser Aspekt wird in einem der nächsten Artikel genauer beleuchtet.

Elke Fromm