Erdmuth von Schönfeld
Erdmuth von Schönfeld

C. F. Gellert und seine umfangreiche Korrespondenztätigkeit

Der Verein „Patronatskirche Kunst und Kultur Wölkau e.V." und die Kulturverwaltung des Landratsamtes Nordsachsen würdigen C. F. Gellert sowie sein Wirken und Schaffen am 21. und 22. Juni 2014 zum 20-sten Mal in Wölkau.
Ein weiterer Höhepunkt findet im Jahr 2015 zu seinem 300-sten Geburtstag statt. Die Gemeinde Wölkau und die Leitung des Gellert-Museums Hainichen geben dabei wertvolle Unterstützung.

In den 1740er Jahren begann Gellert neben seiner Lehrtätigkeit in Leipzig eine umfassende, vielseitige Korrespondenz. Zu seinen bekanntesten Briefpartnerinnen gehörten Johanna Erdmuth von Schönfeld, Tochter der Gräfin Vitzthum von Eckstädt, verw. von Schönfeld und Christiane Caroline Lucius, Repräsentantin des gehobenen Bürgertums.

Von den zahlreichen Briefen sollten der „Husarenbrief", „Die Fahrt auf der Landkutsche" und „Gellert beim Preußenkönig" erwähnt werden. Während die Briefe von Erdmuth bislang unauffindbar sind, ist die Korrespondenz mit Caroline Lucius fast vollständig erhalten. So unterschiedlich die Herkunft der beiden jungen Mädchen war, so unterschiedlich gestaltete sich auch der Briefwechsel mit Gellert.

Die Korrespondenz mit Erdmut galt dem Zwecke der Erziehung, der tugendhaften- und moralischen Bildung sowie der Geschmacksbildung der Siebzehnjährigen. Da sie es nicht anders kannte, als sich auf französisch mitzuteilen, stand auch die Ausbildung ihrer Schreibfertigkeit in der deutschen Sprache auf dem Plan. Die Gräfin hatte gemeinsam mit Gellert diese Art der Bildung und Erziehung ihrer Tochter festgelegt. So gehörte es auch zum Programm, dass Erdmuth ihre Briefe, vom Professor korrigiert, zurückerhielt. Einmal schrieb er: „Ihren Brief, als ein Hofmann, würde ich ihn behalten haben, aber als Professor schicke ich Ihnen denselben mit einigen Aenderungen zurück."

Ein echtes Schreibbedürfnis fehlte wahrscheinlich bei Erdmuth, da sie über genügend andere soziale Kontakte verfügte. Zu vermuten ist, dass sie sogar zeitweise die Korrespondenz als Teil einer 'Modeerscheinung' ansah, da es für Adlige 'schicklich' war, sich mit Gellert zu schreiben. Es verwundert deshalb nicht, dass sich der Briefwechsel oft schleppend hinzog. 

Gellert schrieb Anfang der 60-er Jahre: "Unsere Correspondenz schläft sehr ein, und leider durch meine Schuld." 

Aber auch Erdmuth vernachlässigte das Schreiben. 1764, nach einem Besuch in Wölkau, teilte Caroline Lucius dem Professor mit, dass Erdmuth ihre Schreibnachlässigkeit entschuldigen lässt: „---- sie hätte sehr viel zu thun. ---."
Mit der Heirat 1766 endete die Erziehung von Erdmuth durch den Briefwechsel mit Gellert. 

Anders verhielt es sich bei Caroline Lucius. Die Korrespondenz mit Gellert war für die Tochter aus gutem bürgerlichen Hause existentiell wichtig, gab sie ihr doch die Möglichkeit, aus dem ihr zugedachten engen häuslichen Milieu und ihrer sozialen Vereinsamung auszubrechen. Und diese Möglichkeit ergriff sie. Für ein Mädchen des mittleren 18. Jahrhunderts völlig untypisch, schrieb sie in ihrem ersten Brief an Gellert offenherzig: „---- Ich bin zu Hause und allein; ich habe wenig Bekanntschaft! --- ich muß mich satt schreiben, und den einzigen Weg ergreifen, den ich vor mir sehe, um Ihnen zu zeigen, daß auch ich in der Welt bin. Werden Sie nicht einmal nach Dresden kommen? Wenns geschieht und ich etwas davon höre, wo Sie sich aufhalten, so sind Sie in der That vor mir nicht sicher. Fürchten Sie aber nur nicht gar zu viel...." 

Im Laufe der Zeit wird Caroline so bekannt, dass sie sogar bei Hofe empfangen und schließlich eine gute Freundin der Vitzthums in Wölkau wird. 

Einem Brief von Gellert an sie ist es zu verdanken, dass wir heute Details über das Vitzthumsche Anwesen kennen. „---- das Schloß ist so groß, daß ichs selbst nicht kenne und in Gefahr stehe, das Zimmer unter fünfzig, oder sechzigen nicht finden zu können, das mir ein wie allemal gehört. Indeßen stellen Sie sich ein großes, maßives, --- zu Anfang dieses Jahrhunderts von einem guten italienischen Baumeister erbautes Gebäude, zwey Geschoß hoch, --- mit unglaublich vielen, --- durchgängig gut meublierten hohen Zimmern und einen prächtigen Salon vor, so haben Sie unser Schloß. ---- an den Flügel stößt ein kleines Wäldchen. Und hier im Flügel wohne ich, mit einem Teiche und einem Theile der Allee umgeben. Die anderen Seiten haben Teiche, Wiesen, das Dorf, die Kirche und einen Theil des Gartens und die Wirtschaftsgebäude zur Aussicht. ---- Der Garten ist nach dem großen Garten in Dresden, wirklich der größte, den ich gesehen hab; --- kurz ehe ich zwölfhundert Linden durchgehe: so muß ich all meine Kräfte mehr als einmal daran wagen. Indeßen halte ich mich am meisten in den Cabinetten von wilden Bäumen auf; denn wer hört nicht gern die Nachtigallen? Aus diesen schleiche ich mich in den Obstgarten, und dann in den Küchengarten, immer in Sorgen, ob ich mich auch wieder zurückfinden werde, wenn ich allein gehe: doch meistens gehe ich mit der Gräfin...."