C. F. Gellert und der „Husarenbrief"

Was war geschehen?

Gellert hatte am 18. November 1758 einen Brief an Erdmuth von Schönfeld geschrieben, in dem er ihr über ein Vorkommnis aufgrund der Kriegswirren berichtete. Wie es Gellerts Art war, machte er aus dem Bericht eine kleine Erzählung:
„----- Den 18. November ließ sich ein Husaren-Lieutenant von dem Gefolge des General Malakovsky sehr ungestüm bey mir melden. Der Gewalt, dachte ich, kann Niemand widerstehen, fasse dich und nimm den Besuch an, es begegne dir auch, was da will. Sogleich trat ein hagrer schwarzer Mann mit drohenden Augen, kothigen Stiefeln und blutigen Sporen hastig auf mich zu. Sein gelbes Haar war in einen großen Knoten und sein Bart in etliche kleine geknüpft. Mit der linken Hand hielt er seinen fürchterlichen Sebel und in der rechten (den Arm mit dazu genommen) den Stock, ein Paar Pistolen, die Mütze und eine Korbtasche, mit Drat durchflochten.

  • Was ist zu ihrem Befehle, Herr Lieutenant, fing ich mit Zittern an? Haben Sie Ordre, mich zu arretieren? Ich bin unschuldig. -
  • Nein, mein Herr! Sind sie der berühmte Bücherschreiber und Professor Gellert?
  • Ja, ich bin Gellert.
  • Nun, es erfreut mich, sie zu sehen und zu umarmen (o wie zitterte ich bey dieser Umarmung!) Ich bin ein großer Verehrer ihrer Schriften; sie haben mir in meinen Feldzügen viel Dienste gethan und ich komme, Ihnen zu danken und sie meiner Freundschaft zu versichern.
  • Das ist zu viel Ehre für mich, Herr Lieutenant. (Mehr konnte ich vor Schrecken noch nicht aus mir hervorbringen.) -----"

Nur wenig später kursierte dieser Brief in zahlreichen Abschriften in ganz Deutschland und wurde als der „Husarenbrief" bekannt. Gellert konnte sich diesen Vorgang nicht erklären. Immer wieder sagte er „---denn ich habe ihn (den Brief), wie es stets mein Gebrauch ist, ohne Conzept geschrieben."

Zudem hatte er Erdmuth um Vorsicht gebeten, weil er glaubte „--- der Brief könne bei bekannt werden mir schaden."

Einerseits hatte er einen preußischen Leutnant karikiert, andererseits offenbarten diese Zeilen seine anti-militärische Haltung. Die Sorge Gellerts nahm mit der weiteren Verbreitung des Briefes zu. Er selbst hörte von immer neuen Abschriften. Doch seine Befürchtungen waren völlig unbegründet, denn der Brief fand überall, selbst bei Hofe, als typische 'Gellert-Geschichte' großen Anklang.
Schnell klärte sich auch, wie es zu dieser Verbreitung kommen konnte.

Da es damals, wie wir wissen, kein Briefgeheimnis gab, hatte Graf Vitzthum Gellerts Brief an seine Stieftochter gelesen. Davon sehr angetan, nahm er den Brief mit nach Dresden, um ihn einem seiner Bekannten zu zeigen.
Die Gräfin entschuldigte sich später bei Gellert und erklärte, dass ihr Mann den Brief bei seinem Besuch nur eine Stunde aus den Augen gelassen hätte und dabei müsse er dann wohl kopiert worden sein.

Da nachteilige Folgen ausblieben, fühlte sich Gellert zunehmend geschmeichelt. Er stellte bald fest, dass die Verbreitung des 'Husarenbriefes' letztendlich seinen Bekanntheitsgrad noch mehr steigerte. Etwas eitel war er schon.